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Abschied von DDr. Herbert Grubinger, einem großen Freund der Wachau.

Tief bewegt gebe ich Nachricht, dass das Ehrenmitglied des „Arbeitskreis Wachau“, em. Univ. Prof. (ETH Zürich) DDr. Herbert Grubinger am 16. Juni 2018 verstorben ist.

Neben AltBgm. Franz Hirtzberger (*1923; † 18. Juli 2007) und ÖR Josef Jamek (*1919; † 2011) war DDr. Herbert Grubinger eine jener drei Persönlichkeiten, die als „Retter der Wachau“ zu gelten haben.

Am 11. September 1922 in Wien geboren, kam er erstmals als Volksschüler im Rahmen eines Klassenausflugs in die Wachau und lernte sie dann als begeisterter Kajakfahrer in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg kennen und lieben.
Unterbrochen durch den Kriegsdienst - der ihn unfreiwillig in die Weiten Russlands und des Baltikums führte - schloss er 1947 das Studium der Kulturtechnik an der Hochschule für Bodenkultur (BOKU) in Wien mit Diplom ab. An der Universität Wien studierte er Geologie und promovierte neben dem Doktor der technischen Wissenschaft und zum Doktor der Naturwissenschaften. 1955 habilitierte er sich an der BOKU und wurde 1961 – für einen Österreicher ungewöhnlich - an die ETH Zürich zum ordentlichen Professor berufen. Den Lehrstuhl für Kulturtechnik an der ETH behielt er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1988.
Neben seiner Lehrtätigkeit an der ETH war er Vizepräsident der internationalen Kommission für Be- und Entwässerung (International Commission on Irrigation and Drainage, ICID) mit Sitz in Neu-Delhi, Mitherausgeber der Zeitschrift für Kulturtechnik und Flurbereinigung, Gründungsmitglied der internationalen Forschungsgesellschaft Interprävent und der Ingenieurbiologischen Gesellschaft der Schweiz, Delegierter der Staatsregierungen der Kantone Wallis und Aargau für die Wasserwirtschaft Aletsch und die Reusstal-Melioration sowie einer der amtstechnischen Sachverständigen der Obersten Wasserrechtsbehörde Österreichs. Im Auftrag der Schweizer Bundesregierung war er als Experte für Wasserbau und Kulturtechnik in vielen, auch entlegenen Teilen der Welt tätig.
Als er 1972 aus der „Presse“ von den Plänen zur Errichtung einer Staustufe in der Wachau und dem sich hier formierenden Widerstand dagegen erfuhr erfasste ihn - nach seinen eigenen Worten - „der heilige Zorn“. Er setzte sich umgehend mit Bgm. Franz Hirtzberger und ÖR Josef Jamek in Verbindung und war fortan ihr Mitstreiter gegen die Verschandelung der Wachau durch Staumauer, Schleusenanlagen, Begleitdämme, Kraft- und Umspannwerk sowie durch den Verlust der frei fließenden Donau.
Es ist seiner genauen Kenntnis der geologischen Verhältnisse, seiner Expertise als Wasserbauer und seinem internationalen Ansehen als Kulturtechniker zu danken, dass es gelang, die fälschlichen Voraussagen der Sachverständigen des Kraftwerksbetreibers - wonach ohne Stauhaltung eine Eintiefung der Donau und damit den Verlust der Schiffbarkeit der Wachau eintreten würde - zu
widerlegen. Gegen den massiven Druck der Elektrizitäts- und Bauwirtschaft und gegen die Bestrebungen so einflussreicher Politiker wie eines Gewerkschaftspräsidenten Anton Benya oder eines Landeshauptmann Andreas Maurer konnte mit Hilfe Herbert Grubingers die Bundesregierung unter Dr. Bruno Kreisky letztlich davon überzeugt werden, die Hände von der Wachau lassen.
Ohne das beherzte und unentgeltliche Engagement Grubingers wäre es undenkbar, dass die Wachau heute auf der UNESCO Liste des Erbes der Menschheit stünde.
Nicht zuletzt für seine Arbeiten zur Erhaltung der Donau als freie Fließstrecke in der Wachau und zur Wasserwirtschaft der Bewässerung des niederösterreichischen Marchfeldes (Planung des Marchfeldkanals) wurde er von der österreichischen Bundesregierung 1988 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.
Dem Verlust seiner zu früh verstorbenen Gattin und den sich zunehmend einstellenden körperlichen Beschwerden – nicht zuletzt Folgen seiner Kriegsversehrung - begegnete er mit seiner lebensbejahenden Einstellung in bewundernswerter geistiger Frische. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er vornehmlich in seinem geliebten Kärnten im Kreise von Menschen, die er mochte und die auch ihn freundlich in ihre Gemeinschaft aufnahmen. Hier ist er am 16. Juni 2018 entschlafen.

Wir trauern mit seinen beiden Töchtern, seinen Angehörigen und Freunden und verneigen uns in Demut vor einem wahrhaft Großen, dem die Wachau so viel zu danken hat.


Dr. Christian Hirtzberger